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Killefit des Tages II: Theatertreffen

Mai 4, 2008

In Berlin ist Theatertreffen und ich finde gleich drei Sachen killefit.

Die “bemerkenswertesten Inszenierungen” der Saison pinseln sich gegenseitig ihre subventionierten Bäuche. Das machen sie jedes Jahr und das machen auch jedes Jahr dieselben Bäuche. Habe ich zumindest den Eindruck. Bin ja selbst etwas weg vom Theater, ein fauler Zaungast und demenstprechend wenig auf dem Laufenden. Wenn ich mir aber das diesjährige Programm angucke, dann steht da kein einziger mir unbekannter Name, sondern ich kenne tatsächlich noch alle Nasen aus meiner Zeit als Theaterwissenschaftsstudentin und entsprechend fleißiger Bühnenbesucherin. Das ist fast 4 Jahre her.

Karten für das Theatertreffen sind nicht ganz so teuer, wie für das Radiohead-Konzert, aber relativ unerschwinglich und rar. Die bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison darf sich also nur der Inner Circle anschauen – wobei die Herren und Damen Dramaturgen, Intendanten, Kritiker und Co. die so bemerkenswerten Inszenierungen sicherlich schon längst gesehen haben dürften.

Und überhaupt die Kritiker. Ein Freund, selbst erlesener tt-Gast, ließ mich den diesjährigen tt-Prolog von Herrn Stadelmaier in der faz überfliegen. Die Grande Dame der Theaterkritik hatte wieder viel zu greinen. Seit Jahren dringt aus dem Theaterstadel das Totenklagelied auf die deutsche Bühne. Sie stirbt, doch Herr Dr. Stadelmaier will sie nicht gehen lassen. Und zitiert Tschechows Möwe: “Ohne Theater geht es nicht.” Echt? Da ist es wieder, das heillose, weil unheilbringende Selbstverständnis des deutschen Theaters: Ich bin wichtig, nehmt mich wichtig, denn ich tue es ja auch. Und genau da liegt meines Erachtens das Problem: Theater muss nicht sein – und das ist das Schöne daran. Theater ist unnützer Tand – aber glitzernd, faszinierend, manchmal auch abstoßend und im besten Fall halt “bemerkenswert”. Ein mal schnörkeliger, mal verzerrender Überbau und nicht das Fundament. Theater sollte froh sein, dass es nicht sein muss. Das es ohne es geht. Theater ist nicht Wasser und Brot, sondern der extra Schlag Sahne. Wenn Du, liebes deutsches Theater, Dich endlich dazu bekennst der Schokoriegel zu sein und nicht die Extraportion Milch, dann komme ich auch bestimmt mal wieder vorbei. Versprochen.

Ein Kommentar

  1. leider ist “bemerkenswert” ja gar nicht mal das wahre hauptkriterium der tt-jury. es kommen nach eigener aussage noch “höchstmaß an perfektion” und “muß vor dem harten berliner publikum bestand haben” hinzu. deshalb kommen auf dem tt auch nur die bekannten mittvierziger vor, die schon glatt genug sind, auf diesem schmierigen parkett nicht auszugleiten. den dreißigern wie mir sei da gesagt: mut zur provinz! feiert das unfertige und unperfekte! und das tt sollte berlin wohl besser verlassen und jährlich wechselnd woanders hausieren, damit die hallenser provinzler, auf einem der letzten treffen von den berliner böse wieder heimgeprügelt, auch mal einen pucher oder nübling und wie die alle heißen mit tomaten bewerfen dürfen… dann entsteht vielleicht auch wieder eine echte diskussionskultur…



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