Momentan kommt im ARD-Vorabendprogramm oft Fußball-EM statt „Verbotene Liebe“ (VL). Für mich als Fußballfreundin völlig okay – zumal die EM ja auch durchaus den Soap-Fan in mir anspricht. Die großen Emotionen, die fiesen Niederlagen, das Taktieren, das Protzen, die Tränen, der Schweiß, die Umarmungen, der Jubel, die teilweise recht schmucken Darsteller – ganz wie im intriganten Adelreigen am Rhein. Das Drama um Alexander Frei, sein blöder Stolper, seine bitterlichen Tränen, der Todesstoß für das gastgebende Schweizer Team. Wie Leonardt von Lahnstein, der sich immer in die falschen Frauen verliebt, die ihm dann auch noch von der Schippe springen, sobald er sie haben kann. Prinz Poldi – Adel aus Kölle, wie passend – und sein deutsch-polnisches Herz. Das klassische Soap-Motiv: Liebe ich meine Freundin oder meine Affaire? Unzählige Male bei VL zum Einsatz gekommen. (So unzählige Male, dass mir tatsächlich gerade kein konkretes Beispiel einfällt…) Die Außenseitersiege, die es ja bislang noch nicht so richtig gab, außer vielleicht Niederlande vs. Italien. Hatte irgendwie was von damals, als Charlie Schneider sich gegen Clarissa von Anstetten zur Wehr setzte. Wobei Clarissa sich natürlich geschickter verteidigt undd gerecht hat als die Italiener. Dass die EM wie eine Soap auch langweilige Momente haben kann, durfte ich soeben beim Spiel Schweden vs. Griechenland erleben. Ein Spiel mit einer – ebenfalls für die Soap typischen – Hinhaltedramaturgie: Zwei Drittel der Zeit wird nur angedeutet, hin und her gepasst, ohne dass was entscheidendes passiert. Dann gibt es einen kurzen Knall – die Enthüllung, die Erlösung – und wenn danach nicht ein Inferno an Intrigen und Wendepunkten losbricht, dann ist es eine schlechte Soap. Schweden – Griechenland war eine schlechte Soap. Vom Unterhaltungswert etwa, wie eine Affaire zwischen Arno Brandner und Charlie Schneider. – Wobei, wenn ich drüber nachdenke, das tatsächlich spannender wäre…
Weblog-Archiv für 10. Juni 2008

Killefit des Tages
Juni 10, 2008Gestern bin ich Bus gefahren und sah folgendes Szenario. Inmitten einer Horde frisches Testosteron versprühender Türkenjungs im Neo-Miami-Vice-Outfit saßen zwei junge Damen Mitte 20, die Charlotte Roches in den letzten Wochen eifrigst besprochenen Roman „Feuchtgebiete“ lasen. Herrlicher Anblick. Dazu passte gut, dass ich zuvor einen Kommentar von Juli Zeh in der SZ über eben jenen Roman und die daran neu entzündete Debatte über Alten Feminismus/Neue Mädchen gelesen hatte. Frau Zeh urteilt sehr weise, dass bei dem „Geschlechter-Remmidemmi“ ganz vergessen wird, wo tatsächlich noch vieles schief läuft. Man solle die vermeintlichen „Frauenfragen als Gesellschaftsfragen“ behandeln und da gehe ich mit der Frau Zeh absolut d’accord. Was mich an der ganzen Debatte um Roches Buch und einen vermeintlichen Neuen Feminismus nervt ist, dass Frauenfragen wieder einmal über Körperliches definiert werden und dabei schön die alte Differenzierungsstrategie „Frau im Gegensatz zum Mann“ gefahren wird. Read the rest of this entry ?
